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Charaktergeschichte
des Knochenflickers
Frederickus Dumpfinger
Frederickus Zabellius Hironimus Franziskus Stephanus Magnus Hans Dumpfinger wurde als wer-weiß-wievielter Sohn des Kleinbauern Hans Dumpfinger in Morderbrunn, einer Ortschaft im Rothenloher Tal in den Mittellanden unter dem Namen Frederick Hans Dumpfinger, genannt Fred, oder seltener Hans, geboren.
Seine gesamte Kindheit verbrachte er behütet, da er sich bei der schweren Arbeit auf dem Feld nicht sonderlich geschickt anstellte und so selbst von den Knechten nur ungern zu Botengängen herangezogen wurde. Als sein Vater durch eine Wette mit einem vorbeiziehenden, abgehalfterten Rittersmann jäh an eine gut erhaltene Rüstung und durch das versetzen selbiger an viel gutes Geld gelangte, hatte der alte Bauer die Idee seinen nichtsnutzigen Sohn fürs Erste aus dem Haus zu schaffen um sich gleichzeitig Ruhe und die eigene Altersvorsorge zu sichern. Bald darauf verließ Fred seine feuchte Dachkammer, in welcher er so manche Stunde mit dem Dressieren der ein oder anderen Ratte zugebracht hatte, um sich an der Schule im Nachbarort Seedorf einzuschreiben. Mit dem Erlernen der hohen Kunst des Lesens, so pflegte sein Herr Papa stets zu sagen, würde ihn der Junge noch einmal steinreich machen. Wie die Geschichte zeigte, hatte er sich damit geschnitten.
Jahre vergingen und indessen hatte sich Herr Dumpfinger Senior im ganzen Tal einen Namen im Wettgeschäft gemacht. Sein schier unerschöpfliches Glück hatte ihn in den Besitz mehrerer Schenken gebracht, in welchen er Tagelöhner für sich arbeiten ließ, zumal er nicht überall zugleich seine Wetten abschließen konnte. Bald entwickelte er Vorlieben und stellte fest, dass sich die Gäste seiner Etablissements nicht genierten auch auf die dümmsten seiner Ideen, wie das allseits sehr beliebte „Unter-Welchem-Humpen-Ist-Die-Kartoffel-Spiel“ ohne Kartoffel, zu setzen. In seinem wachsenden Reichtum stellte er fest, dass die Lesefähigkeit seines Sohnes keine große Hilfe war und dass ihm der pickelige Jüngling mehr als nur auf die Nerven ging.
Kurzerhand schickte er ihn mit einem Goldstück und der Mitteilung, er solle schön lange fortbleiben, aus dem Haus. Frederick beschloss so, da er eigentlich wenig Lust hatte eine ehrliche Arbeit zu erlernen wie sein Vater, sich eine dieser Akademien zu suchen, mit welchen der tatterige Dorflehrer immer gedroht hatte. Da auch Fred sein erstaunliches Talent Menschen, vor allem sich selbst, Verletzungen zuzufügen früh aufgefallen war, dachte er, eine Laufbahn als Söldner sei genau das Richtige für ihn. Vielleicht, meinte er sich, könnte man ja aus den Zufällen eine Absicht entwickeln.
Eine Akademie der Kriegskunst zu finden stellte sich als eine sehr leichte Aufgabe heraus, denn sie schienen an jeder Straßenkreuzung (von welchen es im ganzen Tal zwei gab, eine zwischen Ratzbach und Seedorf und die andere in Schindangerburg) aus dem Boden zu wachsen. Doch schon bei der Eignungsprüfung der ersten Schule, die er wahllos gewählt hatte, nahm er mitsamt dem Schild, welchen man ihm in die Hand gedrückt hatte, beim Anblick des vom Lehrer erhobenen Schwertes Reißaus.
Dennoch wollte er nicht aufgeben und besann sich der Worte seines Vaters, welcher oft die Vermutung geäußert hatte, Frederick sei nicht ganz gesund. Nichts schien im nun näherliegend als bei einem Bader oder Knochenflicker in die Lehre zu gehen. Wohl wusste er, dass ihm das blinkende Goldstück, welches sich den Göttern zum Lob immernoch in seinem Beutel befand, so manche Türe öffnen würde. Darum ließ er die bunten Zelte der fahrenden Quacksalber mit den unglaublich langen Namen hinter sich um sich Richtige Bildung zu suchen.
Der Fürstensitz von Rothenlohe, das Städtchen Schindangerburg, zog ihn wie magisch an, wusste er doch, dass dort die Handwerker, die den großen Fürsten Kleingraf Oskar XXVII. von Rothenlohe belieferten, wohnten. Nachdem er, aufgrund eines verzeihlichen Missverständnises schon beinahe beim Leibschneider eine Lehre gefunden hatte, kam er doch an seinem Ziel an. Der Medikus des Grafen nahm ihn angesichts des goldenen Glanzes freudig bei sich auf und brachte ihm in den nächsten zwei Monaten alles bei, was er wusste, bis dieser sich eines Tages eines besseren besann und ihn wieder vor die Tür setzte.
In der Gewissheit nun lange genug weggeblieben zu sein und eine gute Ausbildung erhalten zu haben, -immerhin meinte er mindestens ein Drittel, wenn nicht gar ein Viertel des Gelernten behalten zu haben- kehrte Fred zu seiner Familie in Moderbrunn zurück. Sein Vater schien erstaunlich gut gelaunt, als er seinen Sohn zu Gesicht bekam und von seiner Lehre hörte. Sogleich stellte der alte Herr ihm seine neuste Erwerbung vor und gab ihm zu verstehen, dass es von nun an seine Aufgabe sei sich um dessen Wohl zu kümmern, sonst...
Frederick wurde somit Leibarzt von Hironimus von Roggenquell V., dem besten Rennpferd, welches sein Vater je gesehen hatte, und stellte schnell fest, dass Tier an Schwindsucht litt. Geistesgegenwärtig entschloss er sich er sich zu der Behandlungsmethode, welche er für die einzig wahre hielt.
Da das Pferd den Aderlass nicht zufriedenstellend überlebte, gab es nun Handlungsbedarf. Unter der Plane eines Ochsenkarrens der Richtung grenze zog, verließ Frederick das väterliche Gehöft.
Frederickus ist ein gutmütiger, vielleicht sogar etwas zu gutgläubiger Mensch. Er glaubt, jemanden mit seinen Fähigkeiten könne man nicht hassen. Seine Einschätzungskraft für gefährliche Situationen ist gering, hält er doch beispielsweise Ratten für die besten Freunde des Menschen. Da er bereits einmal mit Untoten zu tun hatte und dabei lediglich einige Schrammen behandeln musste, hält er auch diese für relativ harmlos. Durch diese Begebenheit sitzt er allerdings auch der Fehlmeinung auf, Ritualkreise verursachten im allgemeinen schwere Brandwunden. Bemerkt er jedoch endlich, dass er in Gefahr ist, so wird er zwangsweise überreagieren und so gut wie jedes Angebot annehmen um sein Leben zu retten. Abneigungen hat er wenige, doch vertraut er seinem eigenen Handwerk wenig, wenn es von anderen angewandt wird.
Er ist geldgierig, behandelt aber jeden (und alles), wenn er kann, in der Hoffnung irgendwann bezahlt zu werden.
Wie die meisten Einwohner des bäuerlich geprägten Kleinherzogtums Rothenlohe, die nichts von Religion verstehen, außer, dass mit Göttern nicht zu Spassen ist, gehört er allen drei im Tal verbreiteten Glaubensrichtungen, dem Kult des Tasghatareniordushat, dem Rattenkult und der Huldigung der Hyäne, an. Im Allgemeinen sind die Priester gegen diese Vereinigung, aber das einfache Volk hat nicht die Zeit, sich wie sie wöchentliche Glaubenskriege zu leisten.