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Die Unordnung (Arbeitstitel)
von Felix M. Hummel
Begonnen: 08. 07. 2005
Beendet: 10. 07. 2005
Alle Rechte liegen bei mir. Beschwerden, Kritiken und sonst noch was an fmhummel(at)gmail.com
Der metallene Werkzeugkasten schlug immer wieder gegen die Treppenstufen und schlug dabei kleine Ecken aus dem Zement, die hinter den beiden Männern ins Treppenhaus hinab sprangen. Der Jüngere von den beiden, sofern das bei ihrem fortgeschrittenen Alter überhaupt noch etwas ausmachte, der den schweren Kasten hinter sich her zog fluchte immer wieder und versuchte vergeblich, nach asthmatisch schnaubend, ihn hoher zu heben, doch die Kraft fehlte ihm. Als die Alten den nächsten Treppenabsatz, von welchem aus eine Sicherheitsglastür zu einem Korridor hinausführte, halt machten und verschnauften, setzte der eine seinen Werkzeugkasten ab und rückte seinen Blaumann zurecht. Er fluchte ausgiebig, wurde jedoch schließlich ruhiger.
„Wissen se,“, begann er durch die Zähne und zwischen zwei Atemzüge gepresst. „Auf diese Wohnung hätten sie doch eigentlich verzichten können. Steht doch eh' alles leer, da will doch keiner in eine Wohnung, in der's nach 'ner Leiche stinkt. Wenn überhaupt!“
Sein Gegenüber, ein sichtlich alter, kleiner, stämmiger Mann, brummte nur etwas unverständliches und schob sich durch die Tür zum Korridor. Der Andere seufzte noch und folgte ihm mit einiger Verzögerung.
Der Korridor, welchen sie nun entlang schritten, machte auf den ersten Blick einen sehr jämmerlichen Eindruck. Die mattgelben Wände waren mit verwaschenen Flizstiftgraffittis beschmiert, der Fußbodenbelag fehlte, so dass der fleckige Estrich, auf welchem sich klein Wasserpfützen gesammelt hatten, darunter frei lag, die Türen zu beiden Seiten waren ebenso verzogen wie ausgebleicht und nur fahles, oranges Licht drang durch die gesplitterten Fenster an beiden Enden des Ganges und von dem beleuchteten Notausgangschild an der gestockten Decke. Endlich blieben die beiden vor einer Tür stehen, wobei der Handwerker in seinem Blau wie ein Eindringling wirkte, während sich sein Begleiter, unauffällig und gebeugt, in die graue Szenerie einfügte.
„Na, dann seh'n wir uns das mal an“, dröhnte die Stimme des einen durch den Gang, als er versuchsweise an der Tür, welche verschlossen war, rüttelte. Mit einem Ächzen kniete er sich dann in eine Pfütze um das Schloss mit einem fachmännischen Blick zu begutachten. „Hm.“meinte er, öffnete seinen Werkzeugkoffer und förderte nacheinander mehrere, für den unauffälligen Mann völlig gleich aussehende, Stahldrahtstücke zu Tage, mit welchen er sich am Schloss zu schaffen machte.
Nach einigen Minuten dauerhaftem Klickens, legte er die Drähte zurück, nickte zufrieden und erhob sich. „Das wär's“ Er versuchte die Tür zu öffnen, doch erst nach heftigem Dagegenstemmen bewegte sie sich überhaupt und gab den Blick auf das dahinterliegende Chaos frei.
„Uh!“, entfuhr es dem Schlosser. „Da kommt ja ein hartes Stück Arbeit auf sie zu. Vielleicht rufen sie da jemanden, der das für sie macht.“ Der andere versuchte erfolglos über die breiten Schultern des größeren Handwerkers durch die Tür zu blicken. „Ich geh' dann mal. Die Rechnung schick ich ihnen dann. Wiedersehen.“ Mit diesen Worten schlurfte er samt seines Kastens in Richtung Treppenhaus und gab so den Blick in die Wohnung frei.
Der Hausmeister trat näher und wurde sogleich von einer Wolke süßlich-fauligem Geruchs empfangen, welche sich aus dem vor ihm auftuenden Chaos entwand. Die Polizei hatte nicht gelüftet. Und auch sonst nichts verändert. Aber den Schlüssel hatten sie behalten.
Eine Hand auf Mund und Nase gepresst durchquerte er so schnelle es auf diesem unebenen Terrain ging, das Zimmer und machte sich am Fenster zu schaffen. Schnell musste er fest stellen, dass es sich nicht öffnen ließ. Als er den Griff genauer betrachtete, bemerkte er, dass er von einer dicken Rostschicht, die beinahe so aussah, als wäre sein vor nicht all zu langer Zeit einmal Flüssig gewesen.
Würgend von dem abstoßenden Geruch, verließ er das Zimmer wieder und beschloss die Tür offen stehen zu lassen, um Morgen wiederkommen zu können. Wenigstens brauchte er sich keine Sorgen um irgendwelche Mieter auf dieser Etage machen, die sich beschweren hätten können.
Am nächsten Tag, mache sich der Hausmeister schon früh, bepackt mit Putzeimer, Lappen, Bürste, Wischmob und großem Müllkübel, zu der verwüsteten Wohnung auf. Da sie der Geruch einigermaßen verzogen zu haben schien, stellte er seine Sachen ab und trat über die Schwelle in den Vorraum um einen genaueren Blick auf die Angelegenheit zu werfen.
Das kleine Vorzimmer hatte zwei Türen, die ein rechter Hand zum Wohnzimmer, links zum Schlafzimmer und ging nach vorne nahtlos in die kleine Küche über, deren Fenster er gestern zu öffnen versucht hatte. Soweit jedenfalls die Theorie der Raumgestaltung, in der Praxis jedoch, waren die Türen kaum noch von den Wänden zu unterscheiden zumal sie mit einer Flut von Zetteln, Zeitungsausschnitten, Fotos und anderen Papieren behängt waren, allesamt schimmelig, verschmiert und mit einer rötlich-braun schimmernden, feuchten Substanz bedeckt. Der Boden war mehr als knöcheltief mit leeren Flaschen, Bierdosen und sonstigem nicht weiter zu definierenden Müll angefüllt, welcher sich ebenso, in Form von Tüten und Essensverpackungen auf den Ablagen der Küche stapelte. Auch auf diesen vor sich hin modernden Müllbergen breitete sich eine rote Schicht aus.
Der Hausmeister seufzte bedrückt, als er sich feste Spülhandschuhe überstreifte und versuchsweise am Wandbelag kratzte. Mit einem schmatzen lösten sich einige der Zettel und fielen als zusammengebackenes Brett, feucht klatschend in den Müll. Ein Stück halb verwester Raufasertapete lag nun dahinter frei. Der Alte betrachtete das Stück des Belags auf seinem Handschuh. Es war leicht faserig und hatte Ähnlichkeit mit etwas organischem, Moos vielleicht oder eher eine Alge. Ja, eine Alge musste es sein, bei der Feuchtigkeit in dieser Wohnung durfte dies kein Wunder sein.
Er wischte den Schleim an seine Hose und hob das verklebte Papier, welches er abgerissen hatte, auf. Es stellte sich als viel zu zersetzt und nass heraus um gelesen zu werden können, also warf er es in seinen Eimer.
Nach kurzem überlegen verließ er das Zimmer wieder und kam mit einem großen Karton und einer Schneeschaufel zurück. Damit begann er nun, ohne genauer darauf zu achten, was sich darin befand, den auf dem Boden liegenden Müll Schaufel um Schaufel zu entsorgen. Es dauerte nicht besonders lange, bis er dieses Zimmer einigermaßen gesäubert hatte, doch fiel ihm ein, dass es besser wäre die hinteren Räume zu säubern bevor er zu einer Feinreinigung überging.
Als er nach links die Tür zum Schlafzimmer öffnete, donnerte ihm erneut eine Wand aus stickiger, stinkender Luft entgegen. Eine Masse fetter Flieger surrte um seinen Kopf. Er schlug sich gegen die Stirn bei dem Gedanken vergessen zu haben, hier zu lüften. Nun musste es so gehen, auch wenn es hier noch schlimmer aussah. Die Tür zum Bad stand gottlob offen und die Polizei hatte das Badewasser abgelassen. Die Toiletten im ganzen Gebäude waren grün gefliest, doch hier schimmerten alle sichtbaren stellen in fluoreszierendem Rot. Leere Deodorantflaschen, Zahnpastatuben und unfassbare Mengen von Medikamentenschachteln lagen überall, der Duschvorhang war heruntergerissen.
Kurz warf der Hausmeister einen Blick zurück ins Schlafzimmer, doch die aufgequollenen, mürben Möbel und die zu einer schleimigen Masse verrottete Bettdecke, die auf dem Fußboden lag, nahmen im jegliche Lust dort aufzuräumen, weshalb er beschloss erst das Bad gründlich zu säubern. Sogleich begann er wie schon zuvor den Müll hinauszuschaufeln, wobei er seinen letzten Müllsack verbrauchte und so auch den Pappkarton verwenden musste. Den schlammartigen Schmutz vom Boden aufzuwischen bereitete ihm viel Mühe: ständig musste er den Mop absetzten um etwas aus den Fugen zu kratzen. Der Schweiß rann ihm von der Stirn und immer wieder setzte sich eine der dicken Fleischfliegen auf die selbe Stelle auf seiner rechten Wange. Er hätte sie gerne verscheucht, doch wusste er, wie aussichtslos diese Unterfangen gewesen wäre. Den Einrichtungen, wie Toilette, Badewanne und Waschbecken wurde er nur Herr indem er alles großräumig mit Essigreiniger unter Wasser setzte.
Als er mit den Wänden beginnen wollte, bemerkte er, dass unter der Dreckkruste etwas mit weiß, vermutlich Zahnpasta, geschrieben stand. Er nahm den Lappen zur Hand und wischte vorsichtig die obere Schicht um die Buchstaben herum fort, bis eine krakelige Handschrift lesbar wurde
„Sterben soll das Stinktier! Der Fuchs muss fallen! Die Herrschaft der Hyäne erwache!“
Über diesen offensichtlichen Unsinn musste der Hausmeister kurz schmunzeln, zuckte dann aber mit den Schultern und wischte es fort. Ein seltsamer Mensch musste dieser Mieter gewesen sein, da gab es keinen Zweifel, schon allein wegen des Zustandes der Wohnung. Aber sonst war er doch recht unauffällig gewesen, wenn man so an ihn zurückdachte... Nein, war er das überhaupt gewesen? Meinte er nicht doch den jungen Mann aus dem zweiten Stock? Sicher war er sich nicht, aber er glaubte nun, sich überhaupt nicht mehr an diesen Bewohner erinnern zu können. Es kam ihm so vor, als hätte er seine Wohnung niemals verlassen und wäre ihm niemals bei seinem Treppenhausreinigungsdienst oder auf dem Weg zum Einkaufen unter die Augen gekommen. Eine Arbeit hatte er sicher nicht gehabt, das hätte er mitbekommen. Normalerweise begrüßte er jeden neuen Mieter persönlich und lud ihn auf einen Kaffee ein. Das war eben der Vorteil daran, dass hier kaum noch irgendjemand wohnen wollte, man konnte ein viel persönlicheres Verhältnis zu den Leuten pflegen. Aber an ihn konnte er sich beim besten Willen nicht entsinnen. Fast schien es so, als wäre dieser Mann mit einem Jahresvorrat an Konserven hier eingezogen und hatte dann bis zu seinem Tod –sogar zwei Wochen darüber hinaus, nahm man es genau- die Mietswohnung nicht mehr verlassen. Betrachtete man den ganzen Müll, war es nicht einmal all zu abwegig. Auf jeden Fall konnte er sicher sein, dass keine Person in Haus etwas von diesem Mann wusste, wenn er sich nicht einmal mehr an sein Gesicht erinnern konnte.
Natürlich, er war vor drei Tagen mit der Polizei durch die damals noch offen stehende Tür gekommen, weil sich die alte Frau Schmittke, die einzige andere Berwohnerin des darüber liegenden Stockes, über den penetranten Sauerkrautgeruch beschwert hatte, aber nachdem man ihn gefunden hatte, hatte sich der Hausmeister, durch seinen Magen ins Freie gezwungen, nicht mehr lange genug dort aufgehalten, als dass er seinem Gedächtnis wieder auf die Sprünge helfen hätte können.
Er wischte sich den Schweiß von der Stirn und seufzte. Es wurde wircklich immer stickiger in der engen Nasszelle. Lange konnte er hier nicht mehr arbeiten, denn er spürte schon, wie sein Kopf dröhnte, ihm schwindelige wurde von der feuchte Hitze. Er war nun wahrlich nicht mehr der jüngste und sich darüber im Klaren, dass er sehr auf sich acht geben musste. Die Wand, welche er sich vorgenommen hatte, war jedoch schon fast fertig und so harrte er aus.
Merkwürdig, wie einfach so ein Mensch vergessen werden konnte. War die Wohnung erst einmal gereinigt, würde nichts mehr an ihn erinnern, ein neuer Mieter würde einziehen... Nein! Das sicher nicht. Das Gebäude würde wahrscheinlich irgendwann demnächst sowieso abgerissen werden, bei nicht mehr als fünfundzwanzig Prozent Belegung tat man das doch, oder nicht? Nun, auf jeden Fall würde es keinen Nachmieter mehr geben.
Das Bad war nun sauber, bis auf die Decke, welche er nicht erreichen konnte und sich aber zu schwach fühlte um eine Staffelei zu hohlen. So verließ er die Wohnung und überblickte die sich auftürmenden Müllberge, welche er in den Gang geschafft hatte. Er machte sich keine großen Hoffnungen, versuchte aber trotzdem die große Pappkiste anzuheben. Mit zusammengebissenen Zähnen und hervortretenden Armsehnen, gelang es ihm sie emporzustemmen und gegen seine Oberschenkel zu drücken. Für einen Moment war er sich des großen Fehlers, welchen er begangen hatte, bewusst, bevor seine Knie nachgaben und er nach vorne kippte.
Der scharfe Schlag des Aufpralls auf die Kiste presste ihm die Luft aus den Lungen, sein Kopf und die Knie schlugen hart auf den Boden. Der Inhalt der des Karton verteilte sich um ihn herum.
Einige Minuten lag er ganz still als die Schmerzen dumpf und fast taub durch seinen Körper zuckten. Er hatte Angst sich zu bewegen, aus Angst, er könnte es nicht mehr, sein Körper würde ihm nicht mehr gehorchen. Wenn er hier liegen blieb, dann dauerte es sicher Tage, bis man auch nur auf die Idee kam hier nach ihm zu suchen, denn sicher erinnerte sich schon niemand mehr an das Zimmer, in welchem er Ordnung schaffen wollte. Hier, in dieser Etage, wohnte niemand mehr, darum betrat sie auch keiner. Er würde warten müssen, bis Frau Schmittke wieder etwas roch.
Dann hob er vorsichtig seine Rechte und setzte sie vorsichtig neben einigen Glasscherben auf den Estrich. Diesen Vorgang wiederholte er mit der linken Hand und stemmte sich dann, keuchend mit rotem Kopf, auf seine pochenden Knie. Nachdem er tief durchgeatmet hatte, gelang es ihm wieder auf die Beine zu kommen. So sollt es also doch nicht kommen.
Schwankend mit einer Hand gegen die Wand gelehnt stand er nun da und blickte verdrossen und müde auf den Berg aus ausgeschüttetem Müll, welchen er hinterlassen hatte.
Niemand würde jemals etwas bemerken, wenn er dies einfach so liegen lassen würde. Man hätte es schon morgen vergessen wie den verstorbenen Mieter.
Plötzlich fiel ihm etwas in diesem Wust von Badezimmerabfällen auf, weil es so aussah, als würde es nicht dazu gehören. Es handelte sich um ein etwa dreißig Zentimeter langes und zehn Zentimeter breites, zylindrisches Bündel, eingeschlagen in sonderbar trockenes Packpapier. Ohne auch nur zu zögern hob er es auf und riss das Papier herunter. Zum Vorschein kam eine mit Bindfaden zusammengehaltene Rolle aus sehr dickem, an der sichtbaren Aussenseite grauschwarzem Stoff zum Vorschein. Verwundert versuchte er die Schnur zu lösen, doch er fand keinen Knoten zumal sie aus einem, fest um das Bündel geschlungenden Stück bestand.
Wo hatte er das nur gefunden und zum Müll gelegt? Im Waschbecken?
Letztendlich beschloss er die Rolle mit in seine Wohnung zu nehmen um sie dort genauer zu betrachten. Ein Blick aus dem Fenster am Ende des Flures verriet ihm, dass es bereits Abend geworden war.
Nach dem Abendbrot hätte er seinen Fund schon glatt wieder vergessen, wäre er nicht, als er auf die Toilette gehen wollte, beinahe darüber gestolpert und ein weiteres Mal gefallen.
So räumte er die Essensreste vom Tisch auf den Boden um Platz für das Bündel zu schaffen. Mit dem durch und rollte das seltsame Objekt aus. Was er zu sehen bekam, verwunderte ihn auf den ersten Blick nicht sonderlich: Vor ihm lag Buttermesser schnitt er vorsichtig, um nicht doch in den Stoff zu schneiden, die Endlosschnur ein winziger, in dunklen Rottönen gemusterter Perserteppich. Einen ähnlichen hatte er als Fußmatte in seinem Wagen, als er noch gefahren war, benutzt.
Mit einem runzeligen Zeigefinger strich der alte Mann über das Gewebe. Es fühlte sich fast an, als wäre es ein Fell und kein Stoff, so fein war es gearbeitet. Außerdem schienen die geometrischen, gegenstandslosen Muster trotz ihrer geringen Farbvarianz auf eine eigentümliche Art zu glühen. Nein, dies war nicht so billiger Teppich, wie in seinem Auto damals. Dieser hier schien alt zu sein und zeugte, soweit sich der Hausmeister fähig fühlte so etwas zu beurteilen, von großer Handwerkskunst. Eine maschinelle Anfertigung schloss er jedenfalls allein aufgrund der Art der Verpackung aus.
Sicher war er eine Menge Geld wert. Aber wie war er dann zu dem Mieter gekommen? Er wusste nicht, ob er viel Geld gehabt hatte, doch reiche Leute zogen nicht hier her und lebten auch nicht in ihrem eigenen Dreck. Vielleicht hatte er ihn geerbt. Und ihn dann nicht verkauft, weil er einen ideellen Wert hatte der den Tatsächlichen bei weitem überstieg. Oder er war Sammler gewesen und hatte seine ganze Sammulng bis auf dieses Stück verkauft. Aus Geldproblemen, oder um diesen zu kaufen. Sicher war es ein besonderer Teppich. Vielleicht war er... gestohlen? Dann hatte er ihn nicht verkaufen können, weil Sammler selten Diebesgut erwerben. Das hieß es doch immer in den Krimis: Sie wollten doch damit angeben und es herzeigen. Das passte. Es musste so gewesen sein. Der Mieter hatte sicher versucht sich so aus seiner Finanzkrise zu retten, immerhin hatte er auch nie die Miete bezahlt. Oder doch? Nein, daran erinnerte er sich nicht.
Wieder blickte er auf den Teppich und folgte einer Linie mit dem Finger. Er würde die Polizei rufen müssen. Vielleicht gab es ja einen Finderlohn.
Neuer Tatendrang erwachten in seinen alten Knochen als er sich inmitten einer spannenden Geschichte zu befinden glaubte. Er erhob sich schwungvoll um zum Telefon zu gehen. Dabei trat er auf den eben zu Boden gestellten Teller, strauchelte, konnte sich nicht mehr fangen und fiel rittlings um. Sein Hinterkopf traf mit Wucht auf die Tischkante und er sackte zusammen.
Einige Zeit später fand ihn die Polizei als sie die Tür aufbrachen. Einige der Mieter hatten sich über einen schrecklichen Sauerkrautgeruch beschweren wollen, jedoch nahm niemand in der Hausmeisterwohnung das Telefon ab. Ein später verständigter Bestatter, von nicht ganz redlicher Natur, nahm den Teppich an sich, als er die Leiche das alten Mannes fortschaffte. Was aus diesem Unternehmer und dem Perser wurde, weiß man nicht.
Oder es wurde vergessen.