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Eine Filmkritik zur Neuverfilmung von Willard
von Felix M. Hummel
Eines
Tages in den Sommerferien, machte ich mich mit großen
Erwartungen, um ein Uhr nachts über die aus einer Videothek
entliehene DVD von „Willard“ her. Da ich die Novelle,
„Ratman’s Notebook“ (die in der deutschen Ausgabe
sinnloserweise „Aufstand der Ratten“ heißt und im
Klappentext eigentlich nur das Ende beschreibt), auf welchem dieser
Film beruht schon zweieinhalb mal gelesen hatte und stets großen
Gefallen daran gefunden habe, war ich sehr darauf gespannt.
Der
Film überraschte mich dann doch ein wenig. Zugegeben, er war
nicht schlecht. Ich habe selten einen besseren Film neueren Datums
gesehen, aber die Dinge die mir missfielen waren doch recht viele,
weshalb ich hier ein wenig dazu schreiben möchte.
Zuerst
einmal eine kleine Zusammenfassung für diejenigen, die den Film
nicht gesehen haben und auch das Buch nicht kennen:
Von seiner
alten Mutter, mit welcher er allein zusammen lebt, wird Willard
darauf hingewiesen, dass Ratten im Keller seien und er sich darum
kümmern sollte. Als ihm schließlich eine weiße Ratte
in die Klebefalle gerät, bekommt er Mitleid und befreit sie.
Langsam stellt er fest, dass ihm diese Ratte aufs Wort gehorcht und
er mit ihr die restlichen Ratten im Keller kontrollieren kann. (Im
Buch befinden sich die Ratten im Garten, wo er sie in einem Zierteich
ertränken will, aber im letzten Moment mit einer Rattenmutter
Mitleid bekommt und das vorhaben abbricht. Von da an besucht er die
Ratten des Öfteren, Füttert sie und beginnt sie langsam,
aus reiner Langeweile heraus, zu dressieren).
Der erste und
ärgerlichste Punkt ist wohl, das Verhältnis von Willard zu
seiner Mutter und die beiden Charaktere selbst. Sie ist schon zu
beginn des Filmes fast bettlägerig, krank und senil, aber
gutmütig. Ihr Sohn liebt sie sehr und scheint fast einen
„Psycho“-artigen Ödipus-Komplex zu haben. Er verhält
sich auch während der gesamten Handlung wie ein labiler
Wahnsinniger, der zu Wutausbrüchen und sinnlosen
Selbstgesprächen (mit der weißen Ratte Sokrates) neigt, er
lässt sich von seinem Chef zu fertig machen, dass er
unvermittelt in Tränen ausbricht und scheint im Allgemeinen zu
keiner zwischenmenschlichen Handlung fähig. Zu allem Überfluss
handelt er oft unüberlegt und zeigt nur wenig intelligenz Kurz,
ein richtiger, unangenehmer Psychopath.
Im Buch scheint
eigentlich ganz das Gegenteil der Fall zu sein. Willards Mutter ist
ein herrschsüchtiges altes Weib, welches noch sehr gut auf Zack
ist und nichts besseres zu tun haben scheint als Willard in jeder
Hinsicht auszuspionieren und ihm ihren Willen aufzuzwingen. Er mag
sie dafür nicht besonders und geht ihn, wenn es nur möglich
ist aus dem Weg. Als sie schließlich stirbt, handelt er dies
mit den Worten ab „Sie ist endlich gestorben.“ Willard an
sich ist ein rationaler, durchaus sehr intelligenter Mensch, der sich
höchstens ein wenig abschottet. Die ständigen Angriffe
seines Chefs (Jones, nicht Martin, wie im Film. Warum nur?) steckt er
gelassen weg, wobei er sich still, ohne offen durchzudrehen, seinen
Teil denkt. Seiner neuen Arbeitskollegin, der er im Film so
schüchtern aus dem Weg geht, ist er durchaus nicht abgeneigt,
sogar die Hochzeit wird geplant.
Der zweite Punkt wäre, dass
die Handlung im Film sehr mager ausfällt. Die Ausbildung der
Ratten wird nur am Rande angerissen, denn Sokrates scheint ihn von
Anfang an zu verstehen. Die Aktionen, die er mit seiner Horde
vornimmt beschränken sich auf jene beiden, die er aus Rache an
Jones begeht. Im Buch sind diese Dinge nur ein Teil einer langen und
höchst erfolgreichen Verbrecherkarriere, deren Darstellung dem
Film schon eine ganze Menge an Spannung hinzugeben hätten
können. Um den Film hier nicht unnötig zu verlängern,
hätte man andere Szenen, die in der Novelle nicht existieren,
wie eine alberne Szene mit einer Katze, die von den Ratten gehetzt
wird, entfernen können.
Mann kann also Alles in Allem nicht
sagen, dass ich von dem Film richtig enttäuscht gewesen wäre,
aber es hat mich eben verwundert, warum man ihn auf diese Weise
umgesetzt hat. Nun, es war auch schon seltsam genug, dass man ihn
nach Amerika und in die Jetztzeit versetzt hat.
Ich denke mal,
den Film hat sowieso kaum jemand gesehen und wenn, dann hat niemand
das Buch gelesen, aber trotzdem möchte ich einmal wissen, was
ihr davon haltet, dass sich die Charaktere in Buch und Film so stark
unterscheiden. Ich kann den Sinn nicht verstehen, Willard von einem
scharfsinnigen, gerissenen Menschen zu einem rasenden Irren zu
machen. Auf irgendeine Art muss man geglaubt haben, dass dies dem
Publikum besser gefiele. –Dem kann ich mich allerdings nicht
anschließen, da mir der Film-Willard natürlicherweise
unsympathisch ist.