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Eine Filmkritik zur Neuverfilmung von Willard

von Felix M. Hummel

Biosynthg08@gmx.net

Eines Tages in den Sommerferien, machte ich mich mit großen Erwartungen, um ein Uhr nachts über die aus einer Videothek entliehene DVD von „Willard“ her. Da ich die Novelle, „Ratman’s Notebook“ (die in der deutschen Ausgabe sinnloserweise „Aufstand der Ratten“ heißt und im Klappentext eigentlich nur das Ende beschreibt), auf welchem dieser Film beruht schon zweieinhalb mal gelesen hatte und stets großen Gefallen daran gefunden habe, war ich sehr darauf gespannt.
Der Film überraschte mich dann doch ein wenig. Zugegeben, er war nicht schlecht. Ich habe selten einen besseren Film neueren Datums gesehen, aber die Dinge die mir missfielen waren doch recht viele, weshalb ich hier ein wenig dazu schreiben möchte.
Zuerst einmal eine kleine Zusammenfassung für diejenigen, die den Film nicht gesehen haben und auch das Buch nicht kennen:
Von seiner alten Mutter, mit welcher er allein zusammen lebt, wird Willard darauf hingewiesen, dass Ratten im Keller seien und er sich darum kümmern sollte. Als ihm schließlich eine weiße Ratte in die Klebefalle gerät, bekommt er Mitleid und befreit sie. Langsam stellt er fest, dass ihm diese Ratte aufs Wort gehorcht und er mit ihr die restlichen Ratten im Keller kontrollieren kann. (Im Buch befinden sich die Ratten im Garten, wo er sie in einem Zierteich ertränken will, aber im letzten Moment mit einer Rattenmutter Mitleid bekommt und das vorhaben abbricht. Von da an besucht er die Ratten des Öfteren, Füttert sie und beginnt sie langsam, aus reiner Langeweile heraus, zu dressieren).
Der erste und ärgerlichste Punkt ist wohl, das Verhältnis von Willard zu seiner Mutter und die beiden Charaktere selbst. Sie ist schon zu beginn des Filmes fast bettlägerig, krank und senil, aber gutmütig. Ihr Sohn liebt sie sehr und scheint fast einen „Psycho“-artigen Ödipus-Komplex zu haben. Er verhält sich auch während der gesamten Handlung wie ein labiler Wahnsinniger, der zu Wutausbrüchen und sinnlosen Selbstgesprächen (mit der weißen Ratte Sokrates) neigt, er lässt sich von seinem Chef zu fertig machen, dass er unvermittelt in Tränen ausbricht und scheint im Allgemeinen zu keiner zwischenmenschlichen Handlung fähig. Zu allem Überfluss handelt er oft unüberlegt und zeigt nur wenig intelligenz Kurz, ein richtiger, unangenehmer Psychopath.
Im Buch scheint eigentlich ganz das Gegenteil der Fall zu sein. Willards Mutter ist ein herrschsüchtiges altes Weib, welches noch sehr gut auf Zack ist und nichts besseres zu tun haben scheint als Willard in jeder Hinsicht auszuspionieren und ihm ihren Willen aufzuzwingen. Er mag sie dafür nicht besonders und geht ihn, wenn es nur möglich ist aus dem Weg. Als sie schließlich stirbt, handelt er dies mit den Worten ab „Sie ist endlich gestorben.“ Willard an sich ist ein rationaler, durchaus sehr intelligenter Mensch, der sich höchstens ein wenig abschottet. Die ständigen Angriffe seines Chefs (Jones, nicht Martin, wie im Film. Warum nur?) steckt er gelassen weg, wobei er sich still, ohne offen durchzudrehen, seinen Teil denkt. Seiner neuen Arbeitskollegin, der er im Film so schüchtern aus dem Weg geht, ist er durchaus nicht abgeneigt, sogar die Hochzeit wird geplant.
Der zweite Punkt wäre, dass die Handlung im Film sehr mager ausfällt. Die Ausbildung der Ratten wird nur am Rande angerissen, denn Sokrates scheint ihn von Anfang an zu verstehen. Die Aktionen, die er mit seiner Horde vornimmt beschränken sich auf jene beiden, die er aus Rache an Jones begeht. Im Buch sind diese Dinge nur ein Teil einer langen und höchst erfolgreichen Verbrecherkarriere, deren Darstellung dem Film schon eine ganze Menge an Spannung hinzugeben hätten können. Um den Film hier nicht unnötig zu verlängern, hätte man andere Szenen, die in der Novelle nicht existieren, wie eine alberne Szene mit einer Katze, die von den Ratten gehetzt wird, entfernen können.
Mann kann also Alles in Allem nicht sagen, dass ich von dem Film richtig enttäuscht gewesen wäre, aber es hat mich eben verwundert, warum man ihn auf diese Weise umgesetzt hat. Nun, es war auch schon seltsam genug, dass man ihn nach Amerika und in die Jetztzeit versetzt hat.
Ich denke mal, den Film hat sowieso kaum jemand gesehen und wenn, dann hat niemand das Buch gelesen, aber trotzdem möchte ich einmal wissen, was ihr davon haltet, dass sich die Charaktere in Buch und Film so stark unterscheiden. Ich kann den Sinn nicht verstehen, Willard von einem scharfsinnigen, gerissenen Menschen zu einem rasenden Irren zu machen. Auf irgendeine Art muss man geglaubt haben, dass dies dem Publikum besser gefiele. –Dem kann ich mich allerdings nicht anschließen, da mir der Film-Willard natürlicherweise unsympathisch ist.